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Wer bin ich eigentlich?

Wer bin ich eigentlich?

Montag, Januar 27, 2025 Philosophie

Nenn' mich wie du willst, und denk' von mir wie du willst. Ich bin was ich bin und tu was ich tu und komm' nicht umhin bei mir zu bleiben.

Es liegt in der Natur der Sache, dass wir in unsere eigenen Fußstapfen hineinwachsen müssen, schließlich sind wir es, die in ihnen stehen und kein Mensch auf der Welt wird je an unserer statt auf dieser Erde weilen. Vielleicht ist es triviale Banalität und doch sind wir so im Vergleich mit unserer Umwelt und mit unseren Mitmenschen verhaftet, dass es eben gar nicht mehr banal erscheint; dass diese scheinbar einfache Wahrheit zwar simpel erscheint, jedoch zu leben ganz und gar nicht einfach ist. Wer ist schon völlig erhaben über das Urteil seines Nächsten, wer hat das absolute Bewusstsein über sein Selbst, ohne sich zu vergleichen und tut nur wie ihm sein Herz gebiert? Ich jedenfalls nicht. Lange Zeit, bis hinein ins Erwachsenenalter, bemerke ich noch immer die drückende Bürde gesellschaftlicher Normen und unmittelbarer Vergleiche mit anderen Menschen. Sich davon freimachen zu können erscheint fast unmöglich und doch derart vielversprechend, dass manch einer sich wünschte, er könnte ohne Angst vor dem Urteil der anderen sich entfalten und einfach sein Ding machen. So zumindest geht es mir, und da ich ein Mensch bin, fühlt sich bestimmt der ein oder andere ähnlich wie ich. Eine weitere Tatsache die ich - vielleicht sogar schmerzlich - für mich erfahren musste; dass ich eben nicht so individuell bin, wie ich immer angenommen oder vielleicht auch einfach nur gehofft hatte. Es gibt eine unumstößliche Wahrheit, die ich als Tatsache akzeptieren und hinnehmen muss, und die mir zwar die Besonderheit und Einzigartigkeit nimmt, mir im Gegenzug allerdings Verbundenheit und Mitgefühl beschert: Nämlich, dass wir alle eines gemeinsam haben, und das ist die fundamentale Erfahrung des Menschseins. Natürlich leben wir alle in einer anderen Welt, jeder ist der Nabel seiner Welt und seines eigenes Glückes Schmied. Niemand wird je so sehr an unserem Werdegang und unserem Wohlergehen teilhaben wie wir, und letztendlich sind wir alle für uns selbst verantwortlich. Doch das in die Welt geworfen sein, als Mensch auf dieser Erde mit alle den anderen Menschen und Umständen klarzukommen; das eint uns und ist universell. Die Nuancen mögen unterschiedlich sein, doch die Farben befinden sich alle auf derselben Palette. Und wir wissen dies, sonst würde ein Vergleich mit einem anderen Menschen in erster Linie überhaupt keinen Sinn ergeben. Also vergleichen wir uns, überprüfen uns anhand der Ausprägung bestimmter Qualitäten und wünschten uns, wir wären in der Lage eines Anderen, zumindest in einigen Belangen. Das ist Anstrengend und führt notwenig zur Abkehr unserer Selbst und zum Verneinen der eigenen Geworfenheit. Wie Jemand anders sein zu wollen heißt zwangsläufig nicht zu sein wie und wer wir sind. Wir lehnen uns in diesem Sinne selber ab und sagen uns, dass wir nicht wir sein wollen, sondern jemand anderes. Daran muss das Selbstwertgefühl schaden nehmen, immerhin sagen wir nein zu uns und ja zu jemand anderem, der wir nicht sind und niemals sein werde. Selbst wenn wir das Angestrebte erreichen, so sind wir am Ende nichts weiter als eine perfekte Kopie. Um komme also nicht umhin dieses allzu menschliche Begehren, mich zu vergleichen und in einigen Punkten an der Stelle eines anderen zu sehen, als schädlich für mein Selbstverständnis, mein Selbstbild und vor allem meinen Selbstwert zu begreifen. Wer ist also bin? Und wer weiß schon wirklich wer er ist. Es heißt in der buddhistischen Philosophie, ein Auge kann sich nicht selbst sehen, ein Zahn sich nicht selbst beißen, ein Finger sich nicht selbst berühren. Wie könnten wir uns, die wir uns selbst am allernächsten sind, uns jemals vollständig begreifen? Ich habe mir in meinem ganzen Leben noch kein einziges Mal direkt ins Auge gesehen; immer musste ich den Umweg einer Spiegelung oder eines Fotos gehen. Ich bin also in mir drin, bin nicht nur die Gedanken in meinem Kopf, die Gefühle in meinem Körper, die Empfindungen meiner Seele. Ich bin derjenige, der das alles wahrnimmt, teilweise steuert, teilweise auch nicht. Habe ich jemals in meinem ganzen Leben bewusst entschieden, was mein nächster Gedanke sein wird? Ich habe mir diese Frage oft gestellt und konnte sie nie voller Sicherheit mit Ja beantworten. Nun bin ich mittlerweile ein erwachsener Mensch und habe ein Bild von mir im Kopf. Es nährt sich aus meinen Erfahrungen, den Spiegelungen anderer und den Dingen und Geschichten, die ich mir über mich erzähle. Und dieses Konglomerat and Dingen, das ist absolut einzigartig, ward nie gewesen und wird nimmer mehr sein. Und so habe ich doch meine Einzigartigkeit dem Wesen des Lebensstromes zu verdanken, der mich immer weiter trägt und mich Geschichte schreiben lässt. Und so stehe eben nur ich in meinen Fußstapfen, wird nie ein Anderer jemals gleichzeitig den Raum einnehmen, den ich einnehme, kann Niemand mich ersetzen in der Ganzheit meines Seins. Wer ich also bin und was ich tue? Ich bin ich und ich tue, was ich tue. Mag da einer denken, was und wie er will; denn ich komme einfach nicht umhin, ich selbst zu sein und die Dinge zu tun die ich tue. Besser, ich bin frei von dem Zwang den Wünschen und Anforderungen eines anderen gehorchen und mich ihnen unterordnen zu müssen. Denn dann bin ich nicht ich, dann drücke ich mich nicht bedingungslos aus, dann kann ich nicht sein wer ich bin. Und weil es mir mittlerweile nicht mehr so wichtig ist, was andere von mir denken, kann ich ohne Hemmungen dieses philosophisch belanglose Geschwätz im Internet veröffentlichen und tausend Worte schreiben, ohne wirklich etwas gesagt zu haben. Komm nun also, werter Leser, der Du bis hier durchgestanden hast und sag mir was du denkst: dein Urteil ist willkommen. Ich habe hiermit meinen Teil beigetragen und zur Eröffnung dieser Plattform meinen geistigen Ergüssen den Raum gegeben, den sie brauchen.. nein, verdienen! Denn ich will leben und mich ausdrücken. Und genau das wünsche ich dir, werte Seele, die du eben Anteil nimmst an diesem Gedankenspiel. Lebe und tue genau das, was Du für richtig und gut befindest, denn nur im vollen Glanz unseres ungebremsten Seins können wir dem Leben wiedergeben, was es uns so freimütig schenkt. Pure Energie und Aufmerksamkeit im Moment, im Hier und Jetzt. Viel Freude dabei. 

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